Januar

Haidhausen im Januar 2009

11. Januar 1981 (beim Skifahren)
Glas

Aneinander gepresst fühlen
Die Hände kalte Glätte und
Bald feuchten Schweiß.

Wohl schauen wir uns
Exakt und
Können doch zueinander
Nicht kommen.

Keine Taube durcheilt diesen
Abgrund, millimetertief
Klafft unfähig sehend Erkenntnis.



16. Januar 1999 (Obertauern)
Après Ski

Brennender Wattehimmel
Im klaren Winterblau
Darunter
Eisweiß grauer Schatten

Um uns
Dröhnt die Deutschdisco
Alle drängen fröhlich
Zum Après Ski


irgendwann Anfang 2006
Strenger Winter

Weiden hängen,
Weiches Gold

Dem Frost entgegen

Um sie klirrt die Luft
Gleisst eiskalt
Sonne


30. Januar 2008
Hoffnung

An staksigen Zweigen
Sprengen lebenslustige Knospen
Ihre karge Winterverkleidung
Wagen zartgrün
Einen ersten Frühling



Der Mond doziert und Venus trinkt ein Bier

Gedichte von Hermann Gfaller

Umschlag und Illustrationen ebenfalls von Hermann Gfaller

 

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 Preis: 11,80 €
Taschenbuch: 96 Seiten, 5 farbige Abbildungen
Verlag: Kunst- und Textwerk Verlag (www.kutv.de)
ISBN-13: 978-3937000237

 


 

 

Botanisieren unter Glas

Botanischer Garten, Januar 1999

Blitzlichtgewitter scheucht
Tropische Schatten,
Schönheiten nur für Botaniker

Zwischen Schachtelhalm
acht Meter hoch
Abgeschottet frösteln
Gardenien zuggeschützt
flattern sie:
Formosa-Schmetterlinge
erstaunlich groß,
verblüffend grau

Schmetterlingsjagd
Mit dem Apparat
Pfauenaugen handtellergroß

Nichts berühren
Nur nichts berühren



Morgenglut

Dezember 2003

Dunkel - noch.

Wohlige Wärme umhüllt

daunenweich uns,

Augenlider zucken,

den Morgen erahnend.

Tiefes Rot

bricht sich Bahn durch ein Fenster,

glüht ferne

zwischen zwei Häuserschatten.

Augenblicke später, Wolken

dramatisieren die rosenfingrige Eos.

Offene Augen bestaunen

noch in Kissen vergraben

das Spektakel, das aufflammt,

bald das ganze Fenster füllt – alle Fenster.

Tiefes Rot verblasst zu Erinnerung,

Sekunden später,

wie das rosa-orange Wolkentheater.

Sonnenhell verblasst die Illusion,

zerreibt die Wolkentürme zum weißen

Deckenanstrich – zum Alltag.

Doch die Erinnerung lebt,

glüht, wie die Umarmung,

im immer noch nachtwarmen

Bett.