Handel …

28. August 1980

Nachtrag zum 27. August: Ich vergaß gestern ein kleines Abenteuer mit einem Schuhputzer einzutragen.

Die Schuputzer drängten sich auf und uns lockte die Sache, weil wir so etwas bislang nur aus Filmen kannten. Doch sie verlangten für das Putzen von Turnschuhen (viel Leinen, etwas Kunststoff und daher im Wesentlichen bürsten ohne Wichse und kaum polieren) 100 Lira, als rund 9 Mark.

Ich weigerte mich und gab nach einigem hin und her zwei Mark in deutscher Münze. Die Schuhputzer wurden richtig böse und knöpften Franz gemeinsam 150 Lira ab, dem wohl nicht ganz klar war, dass er damit fast 14 Mark zahlte.


Wieder ein Nachtrag zum 28. August, denn es ist jetzt eigentlich schon der 29. August. Der gestrige Tag war einfach zu voll und dauerte länger als der Tag selbst. Angefangen hat er jedoch relativ spät. Wir standen so spät auf, dass deshalb Franz fast böse wurde. Nach einem einfachen Frühstück mit Brot und Salami aus dem Rucksack zogen wir los, um Geld zu wechseln. Seltsam, erst die dritte Bank akzeptierte unsere Reiseschecks. Wir tauschten an verschiedenen Schaltern jeder 100 Mark.

Beim Verlassen der Bank verglichen wir unsere Barschaft. Dabei zeigte sich, dass Franz mit 4400 Lira ziemlich genau die doppelte Summe erhalten hatte wie ich. Darauf stürzte ich zurück zum Schalter und erhielt tatsächlich den fehlenden Betrag ausbezahlt. Ein Versehen?

Der große Basar

Wieder flüssig und um eine Erfahrung reicher, machten wir uns zum  Basar auf. Am Eingang sprach uns ein Junge an, der uns partout türkischen Honig schenken wollte. Als wir ablehnten, wurde er ärgerlich und erklärte uns, dass es unhöflich sei, ein Geschenk abzulehnen. Auch die Frage, was dieses „Geschenk“ kosten soll, wurde mit Entrüstung aufgenommen.

Schließlich steckten wir den weißen Riegel ein und betraten den Basar. Schon an der ersten Kreuzung holte uns der Junge ein. Stellte sich vor uns und erklärte, das es sich gehöre, ein Geschenk mit einem Gegengeschenk zu vergelten. Geld wäre durchaus geeignet. Stinkig gab ich ihm seinen türkischen Honig zurück.

Der Basar ähnelte dem, den ich in Kairo kennen gelernt hatte, wirkte aber weniger lebendig. Die ägyptische Variante präsentierte sich als buntes Durcheinander, bei dem man nie so recht wusste, ob man sich in einer Halle befand, oder ob lediglich ein Teppich über die Straße gespannt war, um Schatten zu spenden.

Mit seinen eigenen Straßen für Leder, Schmuck, Textilien, Metallarbeiten oder Souvenirs glich der Istanbuler Basar eher einem wohlgeordnetem und teurem Einkaufsviertel. Allerdings ist er sehr weitläufig und erstreckt sich, insbesondere der Kleiderbasar, über das überdachte Gebäude hinaus in die Seitenstraßen. Er lud nicht wirklich zum Einkaufen ein.

Ich erstand lediglich einen Ersatz für den schon in Erding gerissenen Gurt meiner Feldflasche. Ich zahlte rund 70 Prozent des verlangten Preises. Vermutlich habe ich dennoch draufgezahlt.

Erschöpft und vor allem durstig kamen wir zum Hotel zurück, und kehrten daher nebenan in einem Straßenlokal ein. Dort aßen wir hervorragend, bevor wir uns auf unser Zimmer zurückzogen.

Ich erinnere mich, dass neben dem Hotel auch ein kleiner Pudding-Shop lag. Jedes Mal lockte mich dort der Milchreis. Ich wagte aber nie einen zu kaufen. Ich liebe Milch und Milchspeisen, aber nur wenn sie wirklich frisch sind. Bei keinem anderen Essen bin ich so heikel. Daher traute ich dem türkischen Laden nicht so recht. Außerdem schämte ich mich ein wenig, als (gerade) erwachsener Mann Kinderbrei zu mögen.
Zur Erinnerung: Unser heute so überreiches Angebot an Fruchtjoghurts, Magermilch und anderen Milchspeisen gab es damals erst in Ansätzen.